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Robert Reinick
Begegnungen mit Zeitgenossen
Westpreußisches Landesmuseum, Drostenhof zu Wolbeck
Am Steintor 5, 48167 Münster
26. Mai bis 19. August 2007, Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr
www.westpreussisches-landesmuseum.de
Theobald Freiherr von Oer, 1836
Portrait Robert Reinick
Inv. Nr. Z-KVM 6-8044, Film 691
Begegnungen mit Zeitgenossen Kugler • Chamisso • Schadow • Immermann • Schumann • Rethel
Robert Reinick gehört zur Schar der Malerdichter und steht damit kollegial neben Franz Pocci, Carl Spitzweg, Wilhelm Busch und vielen anderen. Von den Malern seiner Zeit wurde er eher als malender Dichter, von den Dichtern hingegen als dichtender Maler wahrgenommen. Heutzutage ist er weder als Maler noch als Dichter im kollektiven Gedächtnis präsent. Von seinen Gemälden gelten viele als verschollen; von seinen Gedichten - sie gehörten zu den meist vertonten des 19. Jahrhunderts - sind (mit Ausnahme einiger Kinderlieder) fast alle vergessen. Und doch hat der Name Robert Reinick bis heute einen guten Klang in der kunst- und literaturwissenschaftlichen Fachwelt.
Hier ist freilich nicht von dem Maler und Graphiker oder Lyriker und Erzähler die Rede, sondern vornehmlich von dem Initiator und Koordinator künstlerischer und dichterischer Gemeinschaftswerke - von Werken, die ihre Entstehung nicht Reinicks literarischem oder künstlerischem Talent, sondern vor allem seiner harmonisch-friedfertigen Persönlichkeit, seinem freundlich-gewinnenden Wesen, kurz: seinem ,Genie der Freundschaft' verdanken.
Mit seinem unerschöpflichen Ideenreichtum und geselligen Naturell wirkte Reinick als »das belebende Prinzip, der aesthetische Direktor, die große Herzenswärmflasche« (Adolf Schrödter: Brief an Robert Reinick. Düsseldorf, 16.11.1836, Heinrich-Heine- Institut, Düsseldorf) allerorten motivierend auf seine Umwelt und wusste die Menschen seiner Umgebung für gemeinschaftliche Unternehmungen zu gewinnen, die nicht selten zu den bedeutsamsten Schöpfungen ihrer Zeit zählen: Sei es das 1833 gemeinsam mit Franz Kugler herausgegebene »Liederbuch für deutsche Künstler« (mit Beiträgen von Künstlern, Dichtern und Komponisten aus dem Berliner Freundeskreis), das zum Vorbild aller künftigen illustrierten Studenten- und Künstlerliederbücher wurde; sei es die 1837/38 erschienene Sammlung »Lieder eines Malers mit Randzeichnungen seiner Freunde«, die - illustriert von Reinicks Düsseldorfer Akademiekollegen - zum Muster der bebilderten Gedichtanthologien des 19. Jahrhunderts wurde; sei es die 1849 zusammen mit Alfred Rethel publizierte Holzschnittfolge »Auch ein Todtentanz aus dem Jahre 1848«, die bis heute als das künstlerisch bedeutendste Echo auf die Revolution von 1848/49 gilt.
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Reinicks »Begegnungen mit Zeitgenossen», stehen seine produktive Zusammenarbeit, aber auch seine kritische Auseinandersetzung mit führenden Vertretern der damaligen Literatur-, Kunst- und Musikwelt in Berlin, Düsseldorf und Dresden. Die Betrachtung der Personen und Werke erfolgt dabei fast ausnahmslos aus dem Blickwinkel Reinicks. Vor allem seine Briefe vermitteln ein sehr individuelles Bild der Kulturszene der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts; sie sind Dokumente einer wachen; kritischen, aber auch von Selbstzweifeln geprägten Zeitgenossenschaft. Reinick, der von seinen Biographen gern als heiter-naives, realitätsfernes Sonntagskind verklärt wurde, gewinnt auf diese Weise neue Konturen und Tiefenschärfe, die ihn uns aus biedermeierlicher Distanz näher rücken.
Reinicks »Begegnungen mit Zeitgenossen« werden so zu einer neuen »Begegnung mit Robert Reinick« selbst.
Eckhard Grunewald

